Geschichte vom Fruttschwinget

Aus der Chronik 75 Jahre Schwingersektion Kerns 1910 – 1985

Fruttschwinget_Chronik_1

Wie bereits eingangs der Chronik darauf hinge- wiesen wurde, dürfte das Schwingen in unserer Gegend auf den Alpen seinen Ursprung haben. So wurde auf Melchsee-Frutt nach Überlieferung unserer Väter und Grossväter schon im letzten Jahrhundert geschwungen, allerdings nicht auf Melchsee-Frutt, sondern auf Tannalp und im benachbarten Engstlen im Haslital. Hier trafen sich die Sennen und Älpler aus Kerns mit den Bernern. Ranglisten und Festberichte aus dieser Zeit sind keine vorhanden, denn wohl manches ging damals noch auf einfachere Art und Weise. Trotz- dem und vielleicht gerade deswegen, leuchteten die Augen unserer Väter und Grossväter, wenn sie aus alter Zeit von ihren Erlebnissen und Zweikämpfen erzählten. Zu Sagen sind sie allerdings nicht geworden.

So kann im Buch «Die Gemeinden der Schweiz» aus dem Jahre 1836 nachgelesen werden, dass auf Tannalp ein Schwinget stattfinde. Weitere Angaben sind jedoch leider nicht enthalten.

Im Jahre 1865 wurde der Grundstein zum heutigen Kurort Melchsee-Frutt gelegt. Josef Anton Egger wurde das Wirterecht in den oberen Frutthitten erteilt, welche er zu diesem Zweck erweiterte und ausbaute. Bereits im Jahre 1890 wurde das neue Kurhaus Reinhard bei der Zingelfrutthütte durch den Schwiegersohn von Josef Anton Egger, Alois Reinhard, neu gebaut. Alois Reinhard, Nationalrat, war es auch, der die Frutt von Kerns über das Melchtal mit einem kleinen Fahrsträsschen erschloss.

Man zählte das Jahr 1935, als die erste Luftseilbahn Stöckalp-Melchsee-Frutt den Betrieb aufnahm. Der Bauherr Otto Reinhard hat die Pionierarbeit seiner Vorfahren fortgesetzt – und es folgten im Laufe der Jahre weitere Hotels. So hat sich die Frutt zu einem sympathischen Kurort entwickelt.

Fruttschwinget_Chronik_4

Alljährlich am 15. August «Maria Himmelfahrt» findet nun seit Jahrzehnten der Frutt-Schwinget statt. An diesem Tag trifft sich Jung und Alt auf ihrer «Wildi» , wie wir Kernser die Frutt nennen. Was einst ein Kräftemessen unter den benach- barten Älplern war, ist mit der Gründung der Schwingersektion Kerns zu einem sportlichen Anlass geworden, am Anfang vielleicht noch etwas zaghaft, aber im Verlaufe der letzten 20-30 Jahre mit stets zunehmender Teilnehmerzahl.

Fruttschwinget_Chronik_5

Der Frutt-Schwinget nimmt seinen gesicherten Platz im Veranstaltungskalender der Schwinger ein. An die 100 Schwinger finden sich alljährlich zum traditionellen Kräftemessen auf der Frutt ein, ob bei Sonne, Regen oder gar Schneefall. Wen mag es schon wundern, wenn unsere ältesten Mitbürger erzählen, dass sie sich noch gut erinnern können, dass im Militärkaputt geschwungen wurde. Dem verantwortlichen OK ist es zu gönnen, dass es bei dem einen Mal geblieben ist. Jahr für Jahr ist es ein Bangen um einen schönen Sommertag.

Nicht allein die Zahl der teilnehmenden Schwinger hat in den letzten Jahren stark zugenommen, auch die Qualität des gebotenen Sports ist auf einem sehr hohen Niveau. Es ist vor allem das Verdienst der beiden ehemaligen Sektionspräsidenten Edy Reinhard und Josef Michel. Sie verstanden es, beinahe alle Spitzenschwinger der

Innerschweiz auf der Melchsee- Frutt antreten zu lassen. Weiter verdient gemacht am Frutt-Schwinget hat sich auch unser Freund Gusti Berchtold. Während 50 Jahren hat sich «unser Gusti» der verunfallten Schwinger als Samariter und Helfer angenommen. Gar mancher durfte seine schmerzlindernden Hilfeleistungen beanspruchen. Heute ist es der Samariterverein Kerns und Gustis Sohn Erich, der diese «Familientradition» weiterführt.

In der Siegerliste der letzten Jahre finden wir Namen wie: Arnold Hiltbrunner, WernerWiniger, Hans Schnider, JosefBissig, Walter Wyrsch, Werner Hurschler.

Wenn einst dem Sieger 3-4 Franken an Preisgeld winkten, so darf er heute eine reich bestickte Treichel in Empfang nehmen. An dieser Stelle gebührt es sich, den Dank an alle Gabenspender abzustatten. Für das OK ist es erfreulich, festzustellen, mit welch offener Hand sie Jahr für Jahr spenden.

Fruttschwinget_Chronik_3

An die 1500 Zuschauer verfolgen jeweils gespannt die Zweikämpfe, umrahmt von den volkloristischen Darbietungen der Jodler, Fahnenschwinger und Alphornbläser inmitten einer herrlichen Bergwelt.

Vor einigen Jahrzehnten mag der Schwinget für die Älpler eine grössere Bedeutung gehabt haben. Um so mehr wird er heute von der Älplergemeinde mit Spannung verfolgt.

Gleichentags mit dem Schwinget finden am Morgen vor der Kapelle auf Melchsee-Frutt die Wahlen für die Beamteten der Älplerchilbi statt. Es wird dann die Aufgabe der Neugewählten sein, die Älplerchilbi im nächsten Jahr zu organisieren. Die ältesten Mitglieder der Älplerbruderschaft, wie sich der Verein nennt, werden zu Senioren und Ehrensenioren gewählt. Der 15. August ist also nicht nur der Tag der Schwinger, sondern auch der der Älpler auf der «Wildi» , denn so nennen wir Einheimischen diese 3 Hochalpen Aa, Melchsee und Tannalp.

Fruttschwinget_Chronik_2

Die Schwingersektion Kerns wird sich stets bemühen den Frutt-Schwinget in seiner Art zu erhalten. Jeder Anlass soll für die Anwesenden ein Tag der Erholung, aber auch der sportlichen Spannung sein. Es soll ein Tag der Verbundenheit und der Kameradschaft sein und neue Freundschaften sollen geknüpft werden.

Toni Durrer